Ein Wandermulti ist nicht bei jedem Cacher beliebt. Ist es doch oft so, dass man nur wenige Dosen Beifang hat, oder aber auch viele Kilometer für „nur“ eine Dose wandern muss. Dabei ist oftmals das mulmige Gefühl im Gepäck, die Strecke vergeblich zu laufen, weil vielleicht eine  Station nicht mehr in Ordnung ist, oder die Dose unter Umständen nicht mehr vor Ort liegt.

Natürlich kann dies passieren, doch man kann im Vorfeld auch ein paar Dinge erledigen, um diese „Risiken“ zu minimieren.

Wandermulti

Wandermulti

Wie finde ich den passenden Wandermulti?

Zuerst überlege ich mir, wie viele Kilometer ich, bzw. jeder eventuelle Teilnehmer der Gruppe, wandern kann. Dabei sollte man ehrlich zu sich und seinen Mitstreitern sein. Nichts ist schlimmer, als wenn einem unterwegs die Puste ausgeht. 10 Kilometer am Niederrhein sind nicht gleich 10 Kilometer auf dem Rheinsteig. Wenn man in der Gruppe läuft und sich bewusst ist, welches Gelände angestrebt und wie der Umfang der Tour aussehen soll, muss man sich überlegen, in welchen Umkreis ein Wandercache ausgesucht wird. Dies ist wichtig, da die Fahrtzeit nicht zu unterschätzen ist. Ich persönlich halte es so, dass bei einer Tagestour eine Fahrtzeit von 90 Minuten meine Obergrenze ist. Als Kölner klappt dies problemlos, da es ein Katzensprung ins Bergische Land oder in die Eifel ist.

Wir nehmen also an, wir sind eine Cachergruppe von 2-3 Leuten, haben uns darauf geeinigt, dass unser Fitnesslevel eine Runde von 12-15 Kilometern, in hügeligen Gelände, mit knackigen Anstiegen, zulässt und wir dafür auch gerne 90 Minuten Autofahrt in Kauf nehmen.

Nun geht es darum, den passenden Wandermulti für uns zu finden. Dafür haben wir einige Möglichkeiten.

  1. Wir fragen befreundete Cacher, von denen wir wissen, dass Sie schon den einen oder anderen Wandermulti absolviert haben.
  2. Wir suchen nach Wanderseiten im Netz. Dort können wir durch Fotos, Videos, Artikel und Kommentare einen ersten Eindruck der Umgebung gewinnen, sowie einige Erfahrungsberichte über die Wanderstrecke lesen. Danach rufen wir die Geocachingseite auf und schauen, ob sich in dem ausgesuchten Gebiet ein Wandermulti befindet.
  3. Wir besuchen die Internetseite unitedchart.de. Dort ist befindet sich eine Übersicht von sehr gut bewerteten Wandercaches in NRW.

Nach einiger Suche haben wir nun den passenden Cache gefunden. Als Beispiel möchte ich an dieser Stelle den Wandermulti Waldmythenweg – Bergischer Streifzug #23 für die weiteren Ausführungen nutzen, weil er mir als wunderschöner, gepflegter Wandermulti in Erinnerung geblieben ist. Daher führt uns unserer Reise nach Waldbröl.

Die Vorbereitungen zur Tour und was erwarte ich vom Listing?

Die Erwartungen an das Listing sind so vielfältig wie es Owner gibt. Daher möchte ich an dieser Stelle meine persönlichen Erfahrungen und Wünsche einfließen lassen, die keineswegs als Standard angesehen werden sollten. Es gibt viele Wandercaches, deren Listing meine Erwartungen nicht erfüllen, aber trotzdem sehr schön sind. Dies muss jeder für sich entscheiden.

Für mich gehören zu einem Wandercache folgende Angaben in ein Listing:

  1. Die passende Kilometerangabe zur Wanderstrecke
  2. Die ungefähre Wanderzeit bei einem Schnitt von 4 km/h
  3. Eine Angabe zu den Höhenmetern, die zu überwinden sind
  4. Ein GPS Track, auf dem die Strecke zum Download angeboten wird
  5. Hinweise zu Besonderheiten der Strecke. Zum Beispiel ob man alte, zugewachsene Wanderwege läuft, die nicht auf jeder Offlinekarte verzeichnet sind. Außerdem besondere Sehenswürdigkeiten, Rastgelegenheiten usw.
  6. Eine eindeutige, nachvollziehbare Fragenstellung zu den einzelnen Stationen und ein Antwortbogen als PDF zum Download.
  7. Angaben zu Werkzeugen aus der ECA. Allerdings werden Werkzeuge bei Wandermultis eher selten gebraucht.
  8. Eine Koordinate zur Parkmöglichkeit.
  9. Unter Umständen noch ein Hinweis, welche Caches auf der Strecke als Beifang liegen.
  10. Als Sahnehäubchen ein paar einführende Worte zur Umgebung oder eine thematisch passende Geschichte zum Multi.
Wandermulti

Wandermulti

Wir haben auf dieser Beispieltour das große Glück, dass dies alles bei unserem Waldmythenweg vorhanden ist. Daher sind wir nun neugierig und schauen uns die letzten Logeinträge an. Dort kann man schon einiges über die Wanderstrecke, eventuelle Probleme und das Gesamterlebnis erfahren. Doch was ist, wenn der letzte Logeintrag mehr als 3 Monate zurück liegt? Schon wieder schleicht sich diese Unsicherheit ein, ob der ausgewählte Multi zu absolvieren ist. Da gibt es nur eines, den Owner anschreiben. Dies ist etwas, was ich in diesem Fall, bei großen Wandertouren fast automatisch mache. Wenn Ihr dies auch macht, werdet Ihr Euch wundern. Ihr werdet in der Regel auf freundliche und außerordentlich hilfsbereite Owner treffen. Diese freuen sich nämlich sehr darüber, dass jemand ihren Wandermulti angehen will. Manchmal bekommt man die Telefonnummer des Owners als Telefonjoker, sowie viele Infos zur Natur und Umgebung, Tipps zu guten Caches in der Nähe uvm. Teilweise entstehen rege Schriftwechsel und auch persönliche Begegnungen sind möglich. Es ist schon vorgekommen, dass sich ein Owner der Truppe angeschlossen hat, um die Gelegenheit für eine Wartungsrunde zu nutzen. Doch ein Highlight war ein Owner, dessen Wandermulti seit einem Jahr nicht besucht wurde. Im letzten Log gab es Unklarheiten zu einer Station. Nachdem er von uns angeschrieben wurde und vom Termin unserer Anreise erfuhr, hat er sich 2 Tage vorher auf eine Wartungsrunde begeben, obwohl er sich sicher war, dass alles in Ordnung ist. Nur um uns ein gutes Gefühl zu geben. Probiert es einfach mal aus.

Wandermulti

Wandermulti

Der Waldmythenweg soll es sein. Wie geht es weiter?

Ganz einfach, wir packen unsere 7 Sachen, machen einen Termin und Treffpunkt aus und fahren gut gelaunt los. Naja, vielleicht doch nicht ganz so einfach. Erstmal schauen wir bei der WetterApp unseres Vertrauens vorbei, um zu sehen, was uns so erwartet. Es ist überhaupt nicht spaßig, wenn man auf einem Höhenzug wandert und ein Gewitter aufzieht. Hier schreibe ich leider aus Erfahrung. Das kommt davon, wenn man der WetterApp nicht glaubt. Damit war diese Tour beendet. Okay, kommen wir zu den 7 Sachen. Für mich gehört neben ausreichender Verpflegung und etwas Geld auch ein kleines Notfallset in den Rucksack. Diese Sets kosten nur ein paar Euro und wirken im Notfall schon mal Wunder. Glaubt Ihr nicht? Dann rutscht mal am Hang ab und landet in den Brombeerbüschen. Zusätzlich ist unter Umständen eine Wanderkarte von Vorteil. Besonders wenn im Listing etwas von alten Wanderwegen steht.

 

Handy oder GPS Gerät

Eine Diskussion zu diesem Thema ist müßig und ich will sie an dieser Stelle auch nicht führen. Daher ein kleiner Erfahrungsbericht von einer Wandertour. Wir waren zu zweit unterwegs, hatten alles dabei und es lief gut. Der Unterschied war, dass ich mit dem Handy und einer cgeo Offlinekarte unterwegs war und meine Wanderpartnerin mit einem Garmin. Wir wollten zur nächsten Station laufen, als ich siegessicher geradeaus lief und meine Wanderpartnerin links abbog. Es entbrannte eine Diskussion über die passende Wegführung. Wir hatten tatsächlich verschiedene Wege zur nächsten Station auf unseren Geräten. In diesem Fall hatte im Nachhinein das Garmin Recht. Doch Achtung, es gab auch schon Situationen, wo auf dem Garmin nichts zu sehen war und ich mit cgeo den passenden Weg gefunden habe. Daher bietet es sich an, beide Geräte parallel zu betreiben. Wobei man auf dem Garmin auch noch den GPS Track einfügen kann und ich bei dem Handy dafür zwischen cgeo und einer WanderApp, wie z.B. Locus, hin und her springen muss.

 

Unser Beispielmulti ist ein Rundweg

Beim Waldmythenweg handelt es sich um einen Rundweg. Dies ist immer sehr angenehm. Parken, 12 km wandern und nach der Dose wieder ins Auto steigen. Es geht aber auch anders. Zum Beispiel Wandermultis, die in mehreren Etappen, bzw. als Strecke bewältigt werden müssen. Das Problem bei diesen Wanderungen ist, wieder an den Ausgangspunkt, bzw. an sein Auto zurück zu kommen. Ich habe schon einige vielversprechende Wandermultis angeschaut und genau aus diesem Grund Abstand von ihnen genommen. Es ist einfach unpraktisch den Start des Caches mitten in ein Waldgebiet auf einen Wanderparkplatz zu legen, wo es im Umkreis von mehreren Kilometern keine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gibt. Dies gilt leider auch für das Final. Da bleibt dann nur eins, man muss mit zwei Wagen fahren und ein Fahrzeug in der Nähe des vermuteten Finals zu parken. Daher Achtung bei Streckenmultis. Auch in solch einem Fall würde ich mit dem Owner Kontakt aufnehmen und nach einer Möglichkeit fragen, dieses Problem zu lösen.

Eine sehr schöne Herausforderung sind Streckenmultis über mehrere Etappen. Diese findet ihr oft an Flussläufen (Rhein, Sieg, Mosel usw.) oder Steigen (Rheinsteig, Eifelsteig usw.). Ideal für einen Kurzurlaub mit dem gewissen etwas. Da diese Multis meistens an offiziellen und beworbenen Wanderrouten entlang laufen gibt es die Möglichkeit eine Tour zu buchen. Darin enthalten sind die Übernachtungen und der Gepäcktransfer von Herberge zu Herberge.

Wandermulti

Wandermulti

Wir haben die Dose gefunden

Die Vorbereitungen waren optimal, alle Stationen haben wir bewältigt, die Dose ist gefunden und wir hatten viel Spaß auf unserer Tour. Geschafft und zufrieden fahren wir beglückt nach Hause und sitzen nun vor unserem Rechner, um zu loggen. Genau zu diesem Thema möchte ich paar Worte schreiben, die mir am Herzen liegen. Leider lese ich schon mal in den Logs nur kurze, nichtssagende Sätze. Das ist sehr schade. Haben wir doch schon festgestellt, dass es da draußen viele freundliche, hilfsbereite Owner gibt, die sich viel Mühe geben, Eure Wanderung zu einem schönen Erlebnis zu machen. Der Logeintrag ist nun unsere Gelegenheit dem Owner unsere Wertschätzung entgegen zu bringen. Ihr müsst keinen Aufsatz schreiben. Doch würde es den Owner bestimmt freuen, wenn ihr ein Foto zum Log hochladet und ein paar Worte über Eure Erlebnisse oder Missgeschicke auf der Tour schreibt. Auch dazu ein kleines Beispiel. Wir waren bei einem Wandermulti auf dem Rheinsteig unterwegs. Die Ownerin ist bekannt für ihre tollen Wandercaches und gibt sich viel Mühe. Im Listing und den Logeinträgen war kein Problem mit der Tour zu erkennen. Doch vor Ort, mitten zwischen zwei Stationen, lagen stapelweise umgeknickte Bäume und versperrten uns den Weg. Dies bedeutete für uns ein ca. 250 Meter langer Umweg, in einem Steilhang, mitten durch die pure Natur und über querliegende Bäume. Was für ein schönes Abenteuer. Dies dokumentierten wir natürlich in unseren Logeinträgen und mit zusätzlichen Fotos. Daraufhin entstand ein reger Austausch mit der Ownerin, die sich für die Infos bedankte. Danach wurde über Mail gefachsimpelt. Solch ein Cache bleibt lange in Erinnerung. Genauso sollte es meiner Meinung nach auch sein.

 

Ich hoffe, unsere Ausführungen zum Thema haben Euch ein wenig Spaß gemacht und gleichzeitig motiviert, einen Wandermulti anzugehen.

Anm. Diese Zusammenstellung zum Thema Wandermultis wurde von uns im Rahmen eines Creation Celebration Events im April 2019 erstellt.